FAQ - Frequently asked Questions

Nachfolgend beantworten wir Ihnen häufig gestellte Fragen zu HaLT in Bayern:

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Was ist HaLT?


HaLT ist ein alkoholspezifisches Präventionsprojekt , aber auch bei gleichzeitigem Mischkonsum im Zusammenhang mit Alkohol greift HaLT.

Seit der Jahrtausendwende mussten zunehmend mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 10 und 20 Jahren stationär mit der Diagnose „akute Alkoholintoxikation“ behandelt werden: Während im Jahr 2000 bundesweit 9.436 junge Menschen mit dieser Diagnose auffällig wurden, hat sich ihr Anteil bis 2012 mit 26.457 Fällen fast verdreifacht. Seitdem sind die Zahlen mit Ausnahme eines erneuten Anstiegs in 2016 leicht rückläufig. Mit 21.552 jungen Menschen mit akuter Alkoholintoxikation in 2017 liegen jedoch noch immer mehr als doppelt so viele Fälle als im Jahr 2000 vor (Statistisches Bundesamt, 2020). Bei der Interpretation dieser Daten muss beachtet werden, dass bei der Veränderung der Zahlen nicht nur das Trinkverhalten eine Rolle spielt, sondern auch, wie sensibel die Bevölkerung auf Alkoholintoxikationen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen reagiert und wie schnell Notrufe getätigt bzw. in Kliniken eingewiesen wird (Wolstein, 2014).

Der bundesweite Anstieg der stationären Krankenhausbehandlungen zeigte sich auch in Bayern: Waren es im Jahr 2000 noch unter 2.000 Jugendliche, so waren es 2011 bereits über 5.600 Mädchen und Jungen. Seit 2013 sind diese Zahlen in Bayern zwar wieder leicht rückläufig und der positive Trend hat sich auch in 2017 fortgesetzt (in Bayern 4.197, also 319 weniger als 2016). In jedem Falle ist exzessives Rauschtrinken in dieser Altersstufe weiterhin ein sehr ernst zu nehmendes Thema.

Das Projekt HaLT bietet Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 21 Jahre, die aufgrund einer akuten Alkoholintoxikation bzw. einer Mischintoxikation im Zusammenhang mit Alkohol in einer Klinik behandelt werden müssen oder die im Zusammenhang mit einem alkoholbezogenen Vorfall in anderen Institutionen und Organisationen (z.B. Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit oder der Jugendstaatsanwaltschaft) auffällig geworden sind, sowie ggfs. behandelt werden müssen, sowie ggfs. deren Eltern, eine Beratung (reaktiver Projektteil: Indizierte Prävention). Zugleich richtet es sich an Verantwortliche in der Kommune, geeignete Maßnahmen in der Alkoholprävention zu ergreifen und auf die Einhaltung des Jugendschutzes zu achten (proaktiver Projektteil: Strukturelle und universelle Prävention). Der Netzwerkansatz mit Kooperationen über die Grenzen des Suchthilfesystems hinaus ist das zentrale Merkmal des Projektes.

Das Projekt ist auch ein Beispiel für einen „best practice“-Ansatz in der Alkoholprävention, wie sie von der WHO und der EU empfohlen wird. HaLT soll dazu beitragen, das gesellschaftliche Bewusstsein für einen verantwortungsvollen und zurückhaltenden Alkoholkonsum bei den Verantwortlichen im Handel, in Vereinen, Diskotheken und Festveranstaltern u.a. zu schärfen und sie zur Mitarbeit zu gewinnen.

Wie ist HaLT entstanden?


Das Projekt HaLT wurde von der „Villa Schöpflin“ in Baden-Württemberg entwickelt. In den Jahren 2003/2004 wurde es als Bundesmodellprojekt an elf Standorten in neun Bundesländern umgesetzt und durch die Basler Prognos AG extern evaluiert.  

Mittlerweile finden sich HaLT-Standorte bundesweit in ca. 150 Städten und Landkreisen. In Bayern wird HaLT seit Dezember 2007 implementiert.

Welche Ziele verfolgt HaLT?


An unterschiedlichen Standorten Bayerns, d.h. sowohl in ländlichen Bereichen wie auch in den Städten, sollen – gemäß dem HaLT-Konzept und doch mit einer ganz individuellen Ausgestaltung – Netzwerke geknüpft, zielgruppengerechte Maßnahmen und Materialien entwickelt, Aktionen durchgeführt sowie die Öffentlichkeit informiert und sensibilisiert werden. Dabei besteht das Ziel stets darin, eine kommunal verankerte Präventionsstrategie bezogen auf Alkoholmissbrauch zu schaffen.

Konkret sollen durch HaLT:

  • Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahre mit riskantem Alkoholkonsum (besonders mit schwerer Alkoholintoxikation im Krankenhaus) systematisch erreicht werden;
  • Reflexion und Risikokompetenz bei den Betroffenen gefördert werden (Einzelberatung, Gruppenangebot) sowie bei Bedarf weiterführende Hilfen eingeleitet werden;
  • kommunale Konzepte zur Reduzierung alkoholbedingter Schädigungen implementiert bzw. ausgebaut werden;
  • Erkenntnisse über die Häufigkeit und die Begleitumstände exzessiven Trinkens gewonnen werden.
Was sind die zentralen Bausteine des HaLT-Konzeptes?


Das HaLT-Konzept verfolgt zwei zentrale Ansätze:

1. Reaktiver Baustein

Ziel:
Implementierung von Interventionsangeboten für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahre mit gesundheitsschädlichem Alkoholkonsum (bzw. Mischkonsum im Zusammenhang mit Alkohol) sowie ggfs. deren Eltern.

Maßnahmen:

  • „Sofortintervention“ mit Jugendlichen z.B. in der Klinik, aber auch in anderen Institutionen und Organisationen, wie Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit oder der Jugendstaatsanwaltschaft
  •  Beratungsangebot für Eltern
  •  1 - 1 ½-tägiges Gruppenangebot „Risiko-Check“ oder Risiko-Check als Einzelangebot inkl. Abschlussgespräch
  •  Bei Bedarf: Einleitung weiterführender Hilfen
  •  Erfassung quantitativer und qualitativer Daten zum riskanten Alkoholkonsum

2. Proaktiver Baustein

Ziel:
Sensibilisierung der Bevölkerung für die Risiken des Alkoholkonsums und konsequente Umsetzung des Jugendschutzes auf kommunaler Ebene zur Vorbeugung/Verhinderung des exzessiven Rauschtrinkens.

Maßnahmen:

  • Konsequente Umsetzung des Jugendschutzes bei Veranstaltungen, im Handel etc.
  • Sensibilisierung von Eltern, Lehrkräften, Verkaufspersonal etc.
  • breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit
Welchen Vorteil bietet HaLT?


Der Vorteil des Präventionskonzeptes HaLT besteht darin, dass es bereits bestehende Netzwerke nutzt, dadurch eine große Reichweite aufweist und Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahre mit riskantem Alkoholkonsum zu einem sehr frühen Zeitpunkt erreicht werden können. Indem die Kooperationspartner viele verschiedene Aufgaben übernehmen, können etablierte Netzwerke günstig und nachhaltig präventiv tätig werden.

Was sind die sog. HaLT-Förderkriterien in Bayern?


Als gemeinsame Leitlinie und Orientierungshilfe für eine Umsetzung
von HaLT in Bayern dienen die sog. Förderkriterien von HaLT. Die Anerkennung und Umsetzung der Förderkriterien durch die Einrichtung ist Voraussetzung für eine finanzielle Unterstützung durch das StMGP sowie das GKV Bündnis für Gesundheit.

Sie finden diese nachfolgend zum Herunterladen: Förderkriterien 

Wer fördert die HaLT-Implementierung in Bayern?


Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) und die BZgA mit Mitteln des GKV Bündnis für Gesundheit fördern das HaLT in Bayern Projekt.

Es gibt inzwischen in Bayern vier sich ergänzende Möglichkeiten der HaLT-Förderung:

  1. reaktiver Projektteil durch das bayerische StMGP mit bis zu 3.500€ jährlich, bei 20% Eigenanteil
     
  2. proaktiver Projektteil durch das bayerische StMGP mit bis zu 2.500€ jährlich, bei 20% Eigenanteil
     
  3. Förderphase I durch die BZgA ab 01.07.2019 bis 31.12.2022, Förderhöhe abhängig von der Anzahl der erbrachten Module
     
  4. Förderphase II durch die BZgA ab 07.01.2020 bis 31.12.2022, Förderhöhe abhängig von der Anzahl der erbrachten Module (maximal 20.000€ jährlich, bei einer Einwohnerzahl über 200.000 maximal 25.000€ jährlich, bei 10% Eigenanteil).
    Ein Antrag für Förderphase II kann direkt bei der BZgA gestellt werden. Gerne können Sie sich bei folgenden Ansprechpersonen im Detail informieren:

    Fragen, die den Antrag betreffen richten Sie bitte direkt an Projektträger Jülich. Ihre Ansprechpersonen sind:
    - Frau Draeseke (Tel.: 02461/61-1575, E-Mail: a.draeseke@fz-juelich.de)
    - Frau Miczka (Tel.: 02461/61-2716; E-Mail: g.miczka@fz-juelich.de)

    Bei Fragen zur Fördergrundlage können Sie sich gleichfalls direkt an die BZgA werden:
    - Frau Schmidt (Tel.: 0221/8992-346; E-Mail: nina.schmidt@bzga.de) oder
    - Frau Claßen (Tel.: 0221/8992-605; E-Mail: sonja.classen@bzga.de)

    Und bei allen inhaltlichen Fragen zur HaLT-Rahmenkonzeption steht Ihnen das Team des HaLT Service Centers zur Verfügung:
    Tel.: 07621-914909-0; E-Mail: info@halt.de

Neue Standorte erhalten im ersten Jahr durch das StMGP einen Zuschuss von maximal 10.000€. Zudem können zusätzliche Fördermittel im Rahmen der Implementierung über die BZgA bzw. das GKV Bündnis für Gesundheit beantragt werden.

Sollten Sie Fragen zur Förderung von HaLT in Bayern haben, wenden Sie sich gerne persönlich an uns.

 

Wer in Bayern kann teilnehmen?


Wenn Sie sich als eine in Bayern ansässige Institution in der Alkoholprävention engagieren und Interesse haben, HaLT im Rahmen eines Netzwerkansatzes gemeinsam mit regionalen Partnerinnen und Partnern als umfassenden Präventionsansatz einzuführen, können Sie mit der BAS Kontakt aufnehmen.

Welche Standorte nehmen an HaLT in Bayern teil?


Hier gelangen Sie zum Standortverzeichnis.

Wie läuft eine finanzielle Unterstützung ab?


Einrichtungen, die das HaLT-Projekt einführen möchten, stellen einen Antrag auf Gewährung von Fördermitteln durch das StMGP bzw. GKV Bündnis für Gesundheit bei der BAS bzw. für Förderphase II direkt bei der BZgA. Gerne unterstützen wir Sie dabei die entsprechenden Antragsunterlagen zu finden, die Kontaktdaten dafür finden Sie unter dem Reiter Kontakt.

  1. Die BAS leitet die fachlich inhaltlich geprüften und bewerteten Anträge (betreffend die Landesförderung und Förderphase I BZgA) an das StMGP weiter. Nach erfolgreicher Empfehlung zur Förderung wird die Mittelzuweisung durch die zuständige bayerische Regierung veranlasst. Bezüglich Förderphase II wird der Antrag direkt bei der BZgA gestellt, diese meldet sich im Anschluss und veranlasst alles Weitere.

  2. Mit der Anerkennung der HaLT-Förderkriterien in Bayern und der Teilnahme an einer der Zertifizierungsschulen durch das HaLT Service Center der Villa Schöpflin erhalten die Einrichtungen ein Zertifikat über die regelgerechte Teilnahme am HaLT-Projekt.

  3. Ausführliche Informationen zu den verschiedenen Antrags- und Abrechnungsmöglichkeiten erhalten Sie bei der Koordinationsstelle BAS.

Was ist ein HaLT-Zertifikat und wie erhält man es?


Einrichtungen, die bei der BAS einen Antrag auf Gewährung von Fördermitteln gestellt, die Förderkriterien erfüllt und an einer der Zertifizierungsschulungen des bundesweiten HaLT Service Centers der Villa Schöpflin teilgenommen haben  (Termine unter www.halt.de ), erhalten ein Zertifikat über die regelgerechte Teilnahme am HaLT-Projekt. Das Zertifikat ist Voraussetzung für eine Förderung durch das StMGP sowie durch das GKV Bündnis für Gesundheit.

Gibt es HaLT-Schulungen?


Für MitarbeiterInnen von zertifizierten HaLT-Standorten werden das ganze Jahr über kostenfreie Schulungen rund um HaLT angeboten.

Anstehende Schulungen finden Sie unter Aktuelles – Termine und www.halt.de.

Welche HaLT-Materialien gibt es?


Für das Projekt HaLT in Bayern gibt es eine Vielzahl an Materialien, insbesondere Flyer und Broschüren, für die verschiedensten Zielgruppen.

Eine Übersicht sowie PDF-Ansicht zu den Materialien finden Sie oben im Menü unter der Rubrik Materialien.

Weitere umfangreiche Informationen zum HaLT-Projekt und der praktischen Durchführung (u.a. Methoden) finden Sie im HaLT-Handbuch. Dieses steht als Download auf der Bundesmodellprojekt-Seite bei der Villa Schöpflin unter www.halt.de zur Verfügung.

Wie erhalte ich aktuelle Informationen über HaLT in Bayern?


Wenn Sie Interesse an regelmäßigen Informationen über die HaLT-Aktivitäten in Bayern haben, nehmen wir Sie gerne in den Verteiler unseres HaLT-Infobriefes auf. Dieser richtet sich an alle am Projekt Interessierten sowie die bereits Aktiven. Bitte senden Sie uns Ihre vollständigen Kontaktdaten an annalena.koytek@bas-muenchen.de.

Wer ist mein Ansprechpartner, wenn ich Fragen zu HaLT habe?


Annalena Koytek (Projektkoordination)
Dipl.-Psych.

Tel.: 089. 530 730 – 15
Fax: 089. 530 730 – 19
E-Mail: annalena.koytek@bas-muenchen.de
Sprechzeiten: Mo. - Mi., jeweils 09:00 - 12:00 Uhr


Sabine Härtl (Projektmonitoring)
Soziologin, Sozialpädagogin

Tel.: 089. 530 730 - 20
Fax: 089. 530 730 - 19
E-Mail: sabine.haertl@bas-muenchen.de